Wattmessung das Non Plus Ultra am Rad?

Ich wurde gebeten für eine Radsportzeitschrift einen Artikel über Wattmessung zu schreiben. Hier meine 1. Version. Ich habe irgendwie Zweifel, dass es so abgedruckt wird. Deshalb mit Hose runter, hier für euch:

Jeder der seinen Drahtesel etwas ambitionierter bewegt, kommt irgendwann an den Punkt sich zu fragen: Wie werde ich schneller? Klar kann man sich eingestehen das man auf dem Rad sitzt, um das Leben zu genießen. Aber sind wir ehrlich, unser Ego will schneller als Freund xyz sein. Wir enden also irgendwann bei einem Trainingsplan oder Coach. Wie steuert der das Training? Sicherlich nicht nach den Sternzeichen. Also wird die Pulsuhr und ein Wattmesser gekauft. Profiequipment macht mich zum Pro, richtig? Ja klar Werner: Feuer frei! 

Am Ende des Tages verbringen wir nur eine begrenzte Zeit auf diesem schönen Planeten, also warum nicht das Beste draus machen und die Zeit sinnvoll nutzen? Mit einem Wattmesser können wir die kostbare Zeit auf dem Satteltier hocheffizient nutzen. Wir wissen genau in welcher Trainingszone wir uns befinden. Und wir können genauer arbeiten, als mit den bisherigen Trainingszonen: „bisschen aus der Puste“ und „komplett im Beatmungszelt“. Wir wissen also jetzt ob wir sinnvoll die Bierwampe abarbeiten oder unser Ego wieder überhandnimmt und wir einfach nur sinnlos rumballern. Metriken wie der Cardiac Drift, also die Abweichung der Herzfrequenz bei gleichbleibender Power über den Verlauf der Trainingseinheit, kann uns zeigen wie gut unsere Ausdauer ist und sogar ob wir genug trinken und Essen. Und dann sind da die Powerzahlen! Werner: „Meine Dauerleistungsschwelle liegt bei 375 Watt!“ Boom das klingt doch nach was. Freund Egon guckt ganz verdattert und schämt sich für seine 240w Dauerleistungsschwelle. Kein Wort wird hier über die 40kg verloren die der gute Werner mehr auf die Straße bringt. Watt pro Kilogramm ist der Schlüssel zum Erfolg. Mehr Bums pro Kilogramm. Hätte Egon das Kapitel schon in seiner Powerbibel gelesen, wäre er erhobenen Hauptes nach Hause geradelt.

Training mit Wattmessung mit Training ohne Wattmessung zu vergleichen ist einfach unfair. Ich vergleiche doch auch nicht den neusten Ferrari mit einem Trabi. Die letzten Jahrzehnte haben uns gezeigt das mit gut gesteuertem Training, also Training mit Watt, sogar kleine Jungs, die kaum ein Rad gerade aus steuern können, die Tour de France gewinnen können. Ich weiß nicht was mehr schreit: Kauf dir ein Powermeter, als jeder einzelne Profi, der mit so einem Teil rumfährt. Natürlich müssen wir nicht die ganze Zeit auf das Ding starren oder ein Sportstudium absolvieren, um ein Powermeter sinnvoll zu nutzen. Heuert einfach mich als Coach an und ich nehme euch die Arbeit ab. Puh, hoffentlich liest der Editor nicht so weit. Jetzt habe ich es auf meine eigenen Firmenhomepage veröffentlich, da geht das. Wuhuu. Mal im Ernst es gibt so viele Pläne und Infos da draußen, das man super schnell in die Welt der Powermeter findet. Und sobald man die ersten Vo2Max und Sweetspot Einheiten absolviert hat und merkt wie viel schneller man auf einmal ist, will man nicht mehr ohne trainieren. „Achtung Suchtgefahr!“ sollte eigentlich auf der Packung stehen. 

Florian Bögge – Kona Endurance 

Laufen im Winter – so geht’s auch bei Minusgraden!

Beitrag von Team Kona Endurance Member Peter Kronberger.

Ich mag es warm und trocken – genau darum bin ich nach Bergen, Norwegen gezogen – die regenreichste Stadt Europas. Da es im Winter doch etwas kühl werden kann, gibt’s hier ein paar Learnings meinerseits, und wie ich mit der Kälte beim Laufen umgehe. 

Bevor ich einen längeren Lauf starte spaziere ich meist die ersten 100m einfach nur um mich kurz an die Kälte zu gewöhnen. Normalerweise laufe ich nicht langsamer los als sonst, worauf ich nur achte ist, dass es nicht zu steil bergauf geht zu Beginn. Eigentlich immer nehme ich ein zweites Paar Handschuhe mit (nicht direkt am Körper tragen sonst ist die Gefahr diese durchzuschwitzen zu hoch), um entweder wenn das erste Paar nass ist wechseln zu können oder wenn es sehr windig ist überziehen zu können bei Gegenwind. Generell ist meine Devise bei längeren Läufen lieber etwas mehr als zu wenig anziehen, da lange Läufe sowieso im Grundlagenbereich sein sollten und wenn man zu sehr zu schwitzen droht dann ist das eventuell ein Indiz, dass man zu schnell wird – ansonsten findet man immer einen Reißverschluss zum Lüften. Beispielsweise wenn es -8 Grad hat, habe ich dann ein Base Layer (UA Heatgear), ein sehr dünnes Funktionsshirt, ein langarm Tierwolle (ich persönlich benutze Merino Shirts von Ulvang) und eine dünne Daunenjacke. Mir reicht eigentlich immer eine Thermo Tight und auch bei den Schuhen oder Socken trage ich bei -10 das gleiche wie bei +30 – mit der Ausnahme, wenn es eisig wird, dann laufe ich mit einer Schneekette von Snowline an den Schuhen.  Eine Mütze und je nach Wind noch einen „Rundschal“ (Buff). 

Bei Intervallen benötige ich persönlich etwas mehr Kleidung, da es mir mega wichtig ist beim Aufwärmen nicht irgendwo kalt zu werden, laufe ich mich schon einmal, wenn es hart auf hart kommt (-12) mit 2 Daunenjacken und 2 Paar Handschuhe ein. Die Intervalle selbst mache ich ohne Daunenjacken, aber dafür benutze ich meist eine Thermo Weste und Merino Handschuhe, der Rest an Schichten ist gleich dem langen Lauf. Und falls man zu wenig anhat, spürt man wenigstens die Muskeln nichtmehr brennen während der Einheit ;-). Wenn der Untergrund harter Schnee ist laufe ich mit Trail Schuhe (Inov8), ist es eher Eis, dann einfach die Schneeketten anlegen – hatte auch mal Schuhe mit Spikes (Icebug), aber die passten mir persönlich von der Form nicht. Bei Schneesturm hoffe ich, dass ich entweder keine Intervalle am Plan habe, ansonsten versuche ich eine Unterführung zu finden, das schützt sehr gut. Gleich nach den Intervallen wird wieder in die Daunenjacken und andere Handschuhe gewechselt zum Auslaufen. Hat man allgemein mehr Probleme mit kalten Händen oder Fingern sind auch Handschuhe fürs Radfahren super oder sogar Motorradhandschuhe. Bei zu kalter Luft hilft mir eigentlich immer ein Buff, wobei ich auch schon Leute hier mit Gesichtsmasken gesehen habe, jedoch selbst so noch nie probiert. 

Da ich selbst kein großer Freund von Minustemperaturen war, hat es mir geholfen eine kleine Liste zu schreiben, wo man aufschreibt, was man bei welchem Wetter (Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Wind) getragen hat und wie es sich angefühlt hat – das hat mir relativ schnell geholfen mich anzupassen und die richtige Kombination zu finden. 

Zusammenfassend:

  • Tierwolle / Merino Layer (und Handschuhe) (e.g. Ulvang), da die Fasern hohl sind und somit auch noch warm halten wenn es nass wird
  • Schuhe, wie immer – wenn Eis, dann Schneekette (Snowline)
  • Handschuhe, immer im Doppelpack; aus Merino; auch Fäustlinge sind wärmer
  • Bei längeren Läufen lieber etwas mehr als zu wenig anziehen
  • Beim Aufwärmen vor Intervallen ordentlich anziehen, können schonmal 2 Daunenjacken sein. 
  • Buff vorm Mund schützt vor kalter Luft
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Festive 500 bzw. Fahrrad fahren im Winter

Nachdem wir die Saison im Oktober mit einer 300k Ausfahrt bei bestem Herbstwetter beendet haben, kreisten natürlich die Gedanken, ob man das noch ausbauen kann oder will.

Da kam das Festive 500 als gern gesehene Gelegenheit. Prinzipiell ist es dabei das Ziel, zwischen Weihnachten und Silvester 500km auf dem Rad zurückzulegen. Und warum auf mehrere Tage verteilen?

Also Stand erstmal das Ziel es als eine Tour zu fahren. Das November- und Dezember-Training wurde darauf ausgelegt. Die Tage mit den meisten Vollmondstunden ausgewählt.  Allerdings um es kurz zu machen, es ließ sich am Ende nicht realisieren. Durch die angespannte Lage in den Krankenhäusern und Einschränkungen durch Corona, haben wir davon Abstand genommen.

Aber so oder so stand das Ziel 500k an aufeinanderfolgenden Tagen abzuspulen, im Dezember, im Winter.

Zwei Punkte die ich für die wesentlichen Bestandteile beim Fahren im Winter zähle sind die Erwartungen und die Sicherheit.  Zu den Erwartungen: Wenn man grundsätzlich davon ausgeht an schönen Tagen im Winter zu fahren, der wird früher oder später, eher viel früher, enttäuscht. Ich habe mich einfach darauf eingestellt, dass es kalt, dunkel und nass wird, bei jeder Ausfahrt. Die Wahl der Ausrüstung und Bestückung des Rads ist so ausgelegt, dass ich auch bei Dunkelheit und schlechtem Wetter Stunden unterwegs sein kann.

Dies macht es viel einfacher, weil es am Ende dann immer besser wird. Wenn ich davon ausgehe, lange im Dunkeln zu fahren, dann spielt es keine Rolle um welche Uhrzeit ich losfahre. Also passe ich die Zeit so an wie es für mich am besten ist. Das bedeutet ich schlafe aus und Frühstücke mit meiner Familie um ausgeruht und entspannt in die Tour zu gehen. Das ist für mich mit das wichtigste, nicht gehetzt  und ruhig zu starten, und da ich eh davon ausgehe im Dunkeln heimzukommen, spielt es keine Rolle ob nun eine Stunde früher oder später.

Zum Thema Sicherheit:  Es ist einfach, ich fahre rum wie ein blinkender Weihnachtsbaum.  Großflächig reflektierende Besätze an der Hose und Jacke und blinkendes Rücklicht (in Deutschland eigentlich nicht erlaubt). Eine Frontleuchte mit Abblendlicht und Fernlicht, so dass ich auch in der tiefsten Nacht noch auf einsamen Wegen wirklich sehe wo ich hinfahre.  

Des Weiteren bedeutet Sicherheit, dass ich meine Position tracke, eine Powerbank dabei habe um Navi und Handy zu laden, eine Ersatzlampe und warme Getränke (Thermo-Radflaschen).

Um Weihnachten in gewohnter Weise mit den Kindern zu verbringen, starte ich am 27. zu einer kurzen 50k-alone Ausfahrt  in die 500, noch 450k vor mir.

Am 28. Geht es dann richtig los. 200k+ -alone. Weil es sehr windig werden soll,  habe ich die Fahrtrichtung der Route gedreht um auf dem Neiße Radweg Rückenwind zu haben und dann auf dem Rückweg nach Hause, wo ich mehr in bewaldeten Gebiet bin, den Wind zu kreuzen. Soweit die Theorie.

Ich starte wieder ruhig in den Tag, um 10 Uhr geht es los. Die erste Stunde langsam anrollen, um den Körper auf Temperatur zu bringen und das richtige Tempo zu finden. Bloß nicht zu schnell anfahren, es ist kein Rennen auf Zeit sondern Klinometer fressen ist angesagt und es geht darum ein Optimum zu finden aus Geschwindigkeit und eigener Anstrengung. Übermassiges Schwitzen gilt es zu tunlichst zu vermeiden.

Nach 65k erreiche ich die Neiße und mache das erste Mal Halt, kurzes Bild und SMS nach Hause. Das Handy hat von dem Kälteschock beim Herausholen aus der Jacke erstmal die Nase voll und schaltet sich ab. Super, das zum Thema Sicherheit.

Auf dem Neiße Radweg  ziehen die Kilometer rasch vorbei, schöne Landschaft, die Bahn ist frei (kein vernünftiger Mensch fährt im Winter Rad…) nur ab und zu, wenn der Wind quer kommt und mich fast vom Damm fegt, steigt der Puls.

Bei 120k heißt es dann wieder Rückweg antreten, runter vom Fernradweg, rein ins Brandenburger Land, gegen den Wind. So viel Schutz wie gedacht, bieten die Bäume doch nicht. Es wird schnell klar, es wird ein bisschen länger dauern.  Konnte ich bis jetzt einen guten Schnitt von 27Km/h halten, sinkt er jetzt nur noch. Nicht so gut fürs Ego, sieht auf Strava immer Mist aus… , egal geht weiter.

Ab 150k ist es nun stockdunkel. Eine Thermoflasche ist noch voll, das passt. Aber zwei Brötchen waren doch zu wenig  und der Riegel und das Gel sind schon seit Kilometern alle. Man kann die Tage ja nirgends anhalten. Vor allem in Brandenburg, dem schrundigen Land.  Kälte, okay kann ich gut ab, ist halt so. Nässe, ja okay, aber Hunger, nichts ist schlimmer. Zum Zeitvertreib erzähle ich mir Geschichten und komme langsam wieder in gewohnte Gefilde zurück.

Nun ist ja Brandenburg, flach, richtig flach. Die einzigen Hügel sind meist Kippen vom Tagebau und ich schaffe es natürlich den einzigen Hügel weit und breit mit 12% Anstieg auf mein Schlussstück zu legen. Also bei 180k geht der Puls nochmal hoch, größtes Ritzel. Aber das geht auch vorbei und mit 202k rolle ich zu Hause ein.  Noch 250k, ah schon Halbzeit.

Tag 3, erstmal 50k-alone Beine Locker fahren und gut was Essen, ist ja Weihnachtszeit.  Noch 200k.

Tag 4, ich habe Begleitung, wie cool ist das denn? Meine Frau kann mitkommen, mein Bruder passt auf die Kinder auf.  Schon früh bei der Fahrt zum Bäcker merke ich, bisschen glatt heute, da müssen wir aufpassen.

Nach 5k liegen wir auf der Nase. Hmmm, uncool, zum Glück nichts passiert, aber die geplante Strecke können wir nicht abfahren. Wir entschließen uns erstmal um unseren heimischen See auf Nebenstraßen, die gesalzen sind, zu fahren. Nach 20k sammeln wir noch einen Begleiter ein, Mensch richtiges Gruppenfeeling. So spielt es eigentlich auch keine Rolle wo man langfährt wenn man schnacken kann bzw. zusammenfährt. 1,2,3 Runden um den See, dann wird es wärmer und es kommt ein bisschen Regen, aber die Straßen sind wieder frei. Timo verabschiedet sich bei 65k und wir beide ziehen noch eine Schleife über einsame Dörfer und nach 90k rollen wir in die Einfahrt. Schatz, ich mach noch eine kleine Runde, das was du heute kannst besorgen ….

Mit 100k steige dann auch ich vom Rad. Alles frisch soweit, nur noch 100k.

Tag 5, 100k-alone. Es ist glatt, die ersten 50k sind nur mit angezogener Bremse zu fahren. Es geht, aber man weiß nie, ob es nun glatt ist oder nicht. Dort wo Schatten ist, ist die Straße mit Raureif  überzogen.  Ich bleibe den ganzen Tag auf den heimischen Radwegen bei uns im Lausitzer Seenland. Da ist es jedenfalls sicher, was den Verkehr angeht. Das gefährlichste ist, dass einen ein Wildschwein umrennt.

Nach den ersten 50k wird es auch jetzt für mich das erste Mal zäh. Auf dem Rückweg sind die Wege frei und ich schalte in endurance mode. Einfach nur die Kurbel drehen, nicht nachdenken über irgendwas, einfach nur die Beine machen lassen.

Mit 501k beende ich mein Festive 500 Erlebnis. Im neuen Jahr gehe ich das erste Mal seit längerem wieder zur Physio, das letzte Mal war Anfang November. Yvonne kennt meinen Körper wahrscheinlich besser als ich selbst. Sie meint nur, oh die Schultern sind aber wieder ordentlich zu. Aber anders als sonst, viel Rad gefahren, was?  Warum man Physiotherapeuten bezahlt verstehe ich nicht, die müssten eigentlich uns Schmerzensgeld zahlen bei der Freude, die man diesen Menschen damit bringt einem selbst  Schmerzen zu bereiten. Und es muss ihnen Spaß machen, sonst kann ich es mir nicht erklären, wie man nach 5 Sekunden die Stellen findet, wo es am meisten wehtut.

Sie fragt nur warum ich mir das antue, 500km alleine im Winter Rad zu fahren. Ich habe erstmal keine Antwort. Ich habe mir selbst die Frage nicht gestellt.

Rad fahren ist toll, lange Rad zu fahren ist noch besser.  Es ist die beste Art herum zukommen. Man ist relativ schnell um weite Strecken zurückzulegen und langsam genug um etwas zu sehen und entdecken zu können.  Am Ende geht es mir glaube ich darum, DEN Moment einzufangen. Was das im Speziellen ist, dass weiß ich am Morgen noch nicht wenn ich starte. Aber dass er mir begegnet, das weiß ich.

Es geht beim Festive nicht darum, eine bestimmte Anzahl an Kilometern abzuspulen, es geht darum, das Radfahren zu zelebrieren. Ich hoffe beim nächsten Festive mehr in Gruppe zu fahren und unterwegs auch einmal anhalten zu können um Kaffee zu trinken und diese Momente zu teilen.

Tschau,

Alexander

P.S. Ich finde es schön, dass in unserer Kona Endurance Gruppe langsam Kontakt zwischen den Sportlern entsteht. Es ist interessant zu sehen, was ihr so macht.

Peter Kronberger – TRI zu RAA zu TRI

750m schwimmen – hm – das sollte machbar sein. Obwohl, das sind 15 Bahnen in einem 50m Becken und sogar 30 in einem 25m Becken. So, schwer kann das nicht sein und es sind ja immerhin noch 4 Monate, etwa das dachte ich kurz bevor ich mich Mitte April 2014 um etwa 2 Uhr nachts zu meinem ersten Sprint Triathlon angemeldet habe. Wie es dazu kam? Nun ja. Ich war inmitten meines Studiums und wollte etwas Neues entdecken. Abwechslung. Den Körper wieder fit bekommen, der Kopf sollte es ja sein beim Lernen. 

Es war in den Osterferien, wo ich gerade für eine Prüfung lernte und mir in der Nacht eingefallen ist, dass es da doch einen Triathlon gab in der Stadt, in der ich aufgewachsen bin. Ich erinnerte mich als ich als Kind manchmal zufällig die Veranstaltung gesehen habe, jedoch nie wirklich aktiv verfolgt, nur gestaunt mit welcher Geschwindigkeit die Athleten durch die Wechselzone gerannt sind. Damals hatte ich keine Ahnung, dass das ein Sprint Triathlon war, und es noch andere Distanzen gab. Aber all das lernte ich in der Nacht im April 2014. Die 5km Laufen – machbar. 20km Radfahren – kein Hindernis. Die 750m schwimmen – konnte mich nicht erinnern wann ich das letzte Mal aktiv schwimmen war, war es in der Schule? Ich weiß es nichtmehr. Wie erwähnt, habe ich mich nichtsdestotrotz angemeldet und so begann das Training. 

Den Tag drauf ging es für mich gleich mal in das Hallenbad – Kraulen konnte nicht, aber so schwer kann das auch nicht sein. Gleich mal probiert und nach 10m, verschluckt und mittlerweile doch etwas nervös am Beckenrand anhaltend schwer an meiner Entscheidung gezweifelt. 4 Monate waren noch Zeit um mit diversen Youtube clips das Kraulen zu lernen. Hilfe wollte ich mir damals nicht suchen, mir war das zu unangenehm. Ich kann keine 10m kraulen und soll in 4 Monaten einen Triathlon machen, die lachen mich doch aus – das in etwa waren so meine Gedanken. So verbrachte ich dann beinahe jeden Abend in der Schwimmhalle um das Kraulen zu lernen, nebenbei das Laufen und Radfahren. 

Am 17. August 2014 war es dann soweit, voller Vorfreude, super nervös, aber mit einem Ziel stand ich beim Schwimmstart. Startschuss, und los ging es! Dieses Event war für mich mein Eintritt in den Triathlon. Ich war zufrieden mit meiner Leistung, es hat Spaß gemacht und ich war irgendwo im Mittelfeld. Nach diesem Event habe ich einfach weiter trainiert. Mir hat das Training an sich Spaß gemacht. Schwimmen, Radfahren und Laufen – jede Disziplin bekam für mich einen besonderen Reiz. 

Im Jahr darauf habe ich dann denn Ironman 70.3 St.Pölten gemacht, auch damit war ich relativ zufrieden, bis auf das Schwimmen, das lief so garnicht. Gleich zu Beginn bekam ich beinahe etwas Panik da überall nur alles aufgewirbelt war, es mein erstes Schwimmen im Neopren in diesem Jahr war und das Wasser nicht gerade Wohlfühltemperatur hatte. Die Erfahrung war einfach großartig – im Nachhinein betrachtet (ja, auch das Schwimmen). Die Unterschiede zwischen einem – nennen wir es Wald und Wiesen Triathlon – und einem Ironman Event waren für mich nochmal ein spannendes Erlebnis.

Ich machte dann noch ein paar weitere, für mich kleinere Events (mit klein meine ich Sprint Triathlons), bevor ich mich dann im Februar 2016 mit einem Freund für die 2er Staffel der Race Around Austria (RAA) Challenge angemeldet habe. Die RAA Challenge ist sozusagen das kleine Geschwisterchen des Race Around Austria – ein 2200km langes non-stop Radrennen um Österreich. Die RAA Challenge umfasst 560km und etwa 6500hm, auch ein Brett – aber im Team sollte das schon machbar sein. So war mein Projekt für 2016, und es war wirklich ein Projekt, da man in einem solchen Rennen ein Begleitfahrzeug haben muss, Radfahren – und organisieren – Auto, Fahrer, Navigator und was man sonst noch alles braucht. 

Der Tag kam immer näher und die Trainingskilometer wurden immer mehr, bis mir plötzlich mein Freund geschrieben hat er wurde gerade von eine Auto angefahren – zum Glück ging es ihm dementsprechend gut – aber mit dem Rennen wird es für ihn vermutlich nichts. Da es nicht ganz so einfach ist einen Ersatz zu finden beschloss ich es alleine zu versuchen. Zusammenfassend: Nach 300km war für mich Schluss. Mein rechtes Knie schmerzte extrem und ich war einfach nicht trainiert dafür. Was für eine Niederlage für mich, es beschäftigte mich sehr lange, da es nun irgendwie ein offenes Kapitel für mich war. Daher meldete ich mich im Jahr darauf als Einzelstarter an. Ich wohnte damals in Den Haag, was das Training für die 6500hm etwas schwierig machte. Der höchste Berg in der Nähe hatte ca. 10hm. Aber ich beschäftigte mich nun das erste Mal mit sowas ähnlichem wie strukturiertes Training und versuchte das so gut es ging (und ich es verstand) umzusetzen. Im August 2017 war es dann soweit und ich konnte die RAA Challenge in 22h und 43min finishen. Was war ich glücklich!

In den Monaten danach habe ich keinen großen Veranstaltungen gemacht – mehr kleinere lokale Läufe oder auch Radevents. Bis ich gemerkt habe, dass ich einfach nichtmehr so richtig besser werde. Es machte mir zwar Spaß, aber es macht noch mehr Spaß, wenn man sieht, dass man stetig besser wird. Deshalb habe ich beschlossen es mit einem Trainer zu versuchen und ich kann jetzt im Nachhinein sagen, dass das eine super Entscheidung war. Ich wage zu behaupten, dass man als ambitionierter Sportler gerne mal etwas zu viel trainiert, oder zu hart oder einfach irrsinnig viele Fragen hat und genau da ist eine Unterstützung gut. Ich weiß, dass ich gerne Wettkämpfe mache, ich mag das Gefühl an der Startlinie zu stehen, sei es ein lokaler Halbmaraton, ein Triathlon oder ein Radrennen, diese Mischung aus Anspannung, Nervosität und Vorfreude, aber was ich für mich gelernt habe, was ich noch lieber als Wettkämpfe habe ist das Training. Mir fällt es nicht schwer zu trainieren, wenn noch kein Ziel definiert ist. Klar, es gibt Tage, da ist man müder oder gestresst, aber ich mag es Tag ein Tag aus eine kleine (bei Flo ist sie auch manchmal größer 😀 )  Challenge zu haben. 

Morgen stärker als Heute

Die Sonne scheint, es sind endlich angenehme 25 Grad, ich habe den ganzen Tag Zeit und das Rad steht bereit. Auf geht’s! Oder auch nicht. Meine Hüfte schmerzt und ich habe einen Termin beim Arzt. Dieser untersucht mich gründlich, macht seine Bewegungstests und schickt mich sofort zum MRT. Am gleichen Nachmittag ruft er mich an und verkündet das mein Sacral Gelenk (mein Arsch) mal wieder unter einer Stressfraktur leidet. Als wäre das nicht genug äußert er Bedenken, das etwas mehr als nur Überbelastung die Ursache sein könnte. Ich werde zur Blutabnahme geschickt und bekomme einen Termin beim Rheumatologen… 

Wie sagt man so schön? Die härteste Qual ist es einem vorzuzeigen, was man nicht haben kann. Dieser Blog ist in gewisser Art ein 2. Teil zum „Der Kampf in mir“ Blog. Ich will euch zeigen warum ich positiv in die Zukunft schaue und wie ich zu dieser Sichtweise gekommen bin. 

Wir alle gehen durch Höhen und Tiefen. Das wird einem erst so richtig bewusst, wenn man sieht das die ganze Welt durch ein Tief bzw. eine harte Zeit geht, wie in diesem Jahr. Ob man durch so eine Zeit untergeht oder stärker hervorkommt, ist jedem selbst überlassen. Mich hat es schon immer fasziniert wie harte Schicksale gewisse Leute einfach stärker machen. Aber das passiert nicht automatisch. Es ist immer so leicht gesagt „hey du kommst stärker zurück!“ Aber wie soll das gehen? Und was bedeutet das „stärker“ überhaupt? 

Wie wir auf schlechte News reagieren ist sehr individuell und von vielen Faktoren abhängig. Egal in welcher Ausgangslage man sich befindet (Optimist, Pessimist etc.) man kann an seiner Sichtweise arbeiten. Mein Zuhause war von beiden Sichtweisen geprägt. Oft war vieles einfach scheiße und es wurde viel vom morgen wird es besser geredet. Aber all das hat mich nicht auf das Leben vorbereitet. Am Meisten lernen wir, wenn wir Sachen selber durchleben. Jetzt könnte ich das so stehen lassen und sagen, „geht raus, macht Fehler und werdet besser“. Oft erleben wir aber Sachen, die kein positives Ende haben. Wie soll ich dadurch besser werden?

Fühle den Unterschied – Negativität bringt dich nicht weiter! 

Ich hatte meinen Hüftschmerz das 1. Mal als ich 18 war. Keiner wusste was ich habe und alle schickten mir nur weiter. „Das wird wieder, hier sind ein paar Schmerztabletten.“ Aber es wurde nicht besser. Training fiel aus und ich ließ den Kopf hängen. Ich fiel in eine Negativspirale und fing an verschiedene Bewältigungsmechanismen zu bemühen, um mich abzulenken. Hat mich das in dem Moment vorwärtsgebracht? Nein, aber mich hat es abgelenkt und ich konnte Sachen verdrängen. Der Grundtenor war aber trotzdem negativ. 

Ein paar Jahre später war ich wieder im Training und schmerzfrei. Mittlerweile hatte ich einige Bücher gelesen und mehr Geschichten von anderen Leuten gehört. Die Schmerzen fingen wieder an. Der erste Gedanke waren die Bewältigungsmechanismen, der vergangen Jahre. Die ersten Schritte in die Negativspirale wurden gesetzt. Diesmal erinnerte ich mich jedoch an die Worte meiner Ma: „Strampeln bis es Butter wird“. Das bedeutet es ist hart, aber wenn wir nicht aufgeben wird es besser. Okay Schmerz ich schau dir in die Augen! Unbeeindruckt machte er mir weiter das Leben zur Hölle. Also ging ich zum Arzt und bekam ein paar Spritzen. Es wurde wieder besser und ich konnte für ein paar Jahre aufatmen und mich bis nach Kona bewegen. Der Unterschied? Ich hatte gelernt das Selbstmitleid und Negativität NICHTS für mich tun. Im Gegenteil sie machen alles nur noch schlimmer. Das hat bei mir den Schalter umgelegt und alles verändert.

Ich habe begonnen meine Ansichten zu hinterfragen und meine Einstellung zum Leben. Das klingt höhertragend als es ist. Aber ich denke folgende Frage ist grundlegend wichtig für den Umgang mit schlechten Ereignissen, Negativität und Misserfolgen. Wie will ich mein Leben leben? Will ich gefangen sein oder selbstbestimmt leben? Sich der Negativität und Bewältigungsmechanismen hingeben ist so als würde man die Kontrolle über sein Leben abgeben. Alle Hoffnungen, Träume und Wünsche werden auf Eis gelegt. Wer will das schon? Ich sage nicht, dass wir alle rosa Einhörner sein sollen, die den ganzen Tag tanzen. Aber ich weiß mit einer positiven Einstellung erschaffen wir neue Welten und bewegen uns nach vorne. Und das ist am Ende des Tages DAS WICHTIGSTE! Wir müssen uns weiterbewegen, denn nur so können wir Sachen überwinden. An einem Berg stehenbleiben oder wieder runterrollen. Das bringt uns nichts. So kommen wir nie über die Kuppe und ins nächste Dorf. 

Mit dieser Einstellung habe ich recht erfolgreich meine immer wiederkehrenden Schmerzen und Probleme weg gemanagt. Mal erfolgreich, mal weniger erfolgreich. Wie im letzten Blog beschrieben, bin auch ich nicht von depressiven Schüben verschont geblieben, aber trotzdem bin ich positiv was das die Zukunft angeht. Jeder hat mal einen schlechten Tag, Monat, Jahr oder ein Lebensereignis was einen aus der Bahn wirft. Entscheidend ist das wir verstehen, das es drauf ankommt wie wir reagieren und welche Macht das über die Zukunft hat. 

Die letzten 3 Jahre war ich so oft verletzt, dass ich es fast gar nicht mehr zählen kann. Piriformis links, Piriformis recht, 2x Sacral Gelenk gebrochen. Absolut abartig zu sehen das ich in mein 4. Profijahr gehe und erst 4 Rennen gefinisht habe. Diese wenigstens auf dem Podium, aber so macht das alles keinen Spaß. Bin ich zu Verletzungsanfällig, um Pro zu sein? Was ist los? Ich trainiere weniger, also bevor ich Pro geworden bin und trotzdem schlägt es immer wieder zu. Die neuste Stressfraktur ist in der Vorbereitungsphase bei geringen Umfang aufgetreten. Da stimmt was nicht. Mein Arzt hat mich nicht ohne Grund zum Rheumatologen geschickt. Die Vermutung liegt auf irgendeiner Autoimmun Krankheit, die mein Hüftknochen angreift. Ob das stimmt werden wir sehen. Ich könnte jetzt heulend in der Ecke sitzen und sagen Mist 6 Wochen Laufpause und womöglich eine abartige Krankheit. Aber nein ich sitze hier voller Spannung, hoffentlich erfahre ich endlich was los ist und warum ich seit 12 Jahren immer wieder damit zu tun hab. Ich schau dem Ganzen positiv entgegen und habe mehrere Pläne in der Tasche.

Das bedeutet nicht das ich nie negative Gedanken habe, aber ich merke das je weniger Zeit ich mit negativem Kram verschwende, desto mehr Lebensqualität habe ich. Die Einstellung zu Problemen ist also das was den Unterschied macht. Denkt positiver und euer Leben wird positiver. Ich könnte jetzt besoffen in Frankfurt/Oder in der Bar hängen, aber nein ich lebe in Amerika, habe eine super Frau, meine eigenes erfolgreiches Coaching Business und wir leben auf Hawaii. Ich bin glücklich und liebe mein Leben. Das Leben ist, das was du draus machst. Denke positiv und lerne aus schwierigen Situationen. Ich hoffe das wir das alle auch auf diese Zeit anwenden können und gemeinsam positiver hervorkommen. Du hast es in der Hand!

Flo

Janek Fischer – Mein Weg zum Triathlon

Hier kommt er nun, mein erster Blogeintrag überhaupt.

Als sie dann aus meinem Windschatten fuhr, sich beschwerte, dass ich doch weniger auf meinem Rad rumhampeln sollte, verstand ich die Welt nicht mehr und steckte mir nur noch ein Ziel an diesem Tag: „Vor ihr ins Ziel kommen!“

Das war ein Gedanke an meinem ersten Triathlon überhaupt. Aber alles der Reihe nach.

Ich bin Janek, 24 Jahre alt, wohne im wunderschönen 350 Seelendorf Lichenroth zwischen Fulda und Frankfurt und freue mich hier meinen ersten Blogeintrag zu schreiben. 

Zum Triathlon kam ich damals durch einen Kumpel, dessen Eltern aktive Rennradfahrer waren. Mit dem geliehenen Stahl-Rennrad mit klassischer Rahmenschaltung konnte ich erste Erfahrungen auf dem Rennrad sammeln und war sofort begeistert. Als ich dann 2009 erfuhr, dass die Eltern meines Kumpels an einem Triathlon teilgenommen haben, wusste ich noch nicht was ich mir darunter vorstellen sollte. „Du musst nur 500m schwimmen, 20km Rad fahren und anschließend noch 5km laufen!“ erzählte mir Johannes. Ich dachte, mega! Das schaffe ich auch. Rad fahren waren wir gelegentlich, schwimmen konnte ich auch (ich hatte immerhin den Freischwimmer!) und Laufen lag mir sowieso, da ich seit meiner frühen Kindheit schon Fußball spielte. So meldete ich mich also für den „Vogelsberger Volkstriathlon“ an. Das Event fand nur 10km von mir Zuhause entfernt statt. So konnte ich auf der Strecke bereits „trainieren“. 

Im August 2010 war es dann also soweit und ich stand mit einer Laufhose und einer Badekappe im Becken des Birsteiner Schwimmbads. Der Kampfrichter zählte die letzten Sekunden herunter und dann ging es ab! Denkste… 

Völlig überfordert mit der ganzen Situation bin ich irgend wie losgeschwommen. Alle, bis auf ein paar Ausnahmen, kraulten davon. Ich dachte, okay – das kannst du doch auch! Nachdem ich das also beobachtet hatte, wie Rest das machte, stellte ich meine Vorgehensweise auf so etwas Ähnliches wie Kraulen um. Schnell habe ich jedoch gemerkt, dass diese selbst zurecht gelegte Technik nicht den gewünschten Effekt hatte. Also schnell zurück zum Brustschwimmen. Immerhin war ich nicht der Einzige mit diesem Stil. Als ich dann sah, dass ich nicht als letzter aus dem Wasser krabbelte, freute ich mich doch ein wenig und lief in die Wechselzone. „Erstmal abtrocknen und dann weiter, auf gehts!“ hörte ich meine Mum rufen. Socken, Schuhe, Trikot, Helm und Brille an, los ging’s erstmal laufend raus auf die Radstrecke. Wie ein 14 jähriger mit viel zu großen Klickschuhen versucht aus der Wechselzone zu rennen, brauche ich hier wahrscheinlich niemandem zu erzählen. 

Am letzten Anstieg vor der Wechselzone pöbelte mir eine Dame entgegen, die davor gemütlich in meinem Windschatten mitfuhr:„Hör doch mal auf so rumzuhampeln, Mann!“ Völlig perplex und verständnislos fragte ich mich, was ich falsch gemacht hatte?

Naja, scheinbar doch nicht zu viel, denn ich kam tatsächlich vor ihr ins Ziel. Beim Überholen schenkte ich ihr zum Abschied noch ein freundliches Lächeln. Das war wohl ein kleiner, großer Erfolg für mich! 🙂 

So kam ich also das erste Mal so richtig mit Triathlon in Berührung. In den beiden darauffolgenden Jahren startete ich nochmals in Birstein, bis die Veranstaltung leider nicht mehr ausgetragen wurde. Ich widmete mich anderen Sportarten wie Klettern, Bergsteigen und Fußball. Das Thema Triathlon trat in  dem Hintergrung, das Laufen habe ich allerdings nie komplett aufgegeben und nahm auch am ein oder anderen Volkslauf teil. Hier motivierte mich immer mein Dad, der mich mit genommen hat, wenn mal wieder ein Volkslauf anstand.

Im Jahr 2017 schaute ich durch Zufall im TV eine Doku zum Thema Triathlon. Schon war meine Begeisterung für diesen Sport neu entfacht. Noch im selben Jahr startete ich über die Sprintdistanz in Eschwege und nahm beim Frankfurt Marathon teil. Danach war ich hoch motiviert und meldete mich für den Ironman 70.3 im Kraichgau für das darauffolgende Jahr an. Mit ziemlich unstrukturiertem Training und einem selbst zusammengebauten Rennrad mit Triathlon-Lenker finishte ich nach vielen Höhen und Tiefen nach etwa 5,5 Stunden. Bis dato war mir nicht bewusst, wie glücklich ein Stück Apfel und ein TUC-Cracker machen können! Das war die Rettung auf der Laufstrecke. Die Zuschauer, die Stimmung und das Anfeuern trugen dazu natürlich auch einen wesentlichen Teil bei.

Nach dem Ironman war dann die Faszination für den Sport voll da. Zum Glück war ich noch für den berühmten Allgäu Triathlon gemeldet. Dort wurde definitiv nicht zu viel versprochen. Ein mega geiles Event! Da sich aber an meinem Vorbereitungsstil nichts geändert hatte, war der ganze Tag eine ziemliche Qual mit direktem Weg ins Motivationsloch. Viel zu oft habe ich mir während diesem Rennen die „Warum tue ich mir das eigentlich an?“ – Frage gestellt und ich wollte danach von Triathlon erstmal gar nichts mehr wissen.

Nach dem ich im August aus beruflichen Gründen nach München gezogen bin, schaffte ich immerhin im Oktober mal 7 km zu laufen. Ansonsten kehrte ich zum altbewährten Fußball zurück und hielt mich mit Krafttraining fit.

Die nächste Kehrtwendung sollte dann 2019 erfolgen. Kurz vor dem Jahreswechsel 2018 verschlug es mich zu  2-3 Rennrad Ausfahrten in die Berge. Mit der Ankunft meines neuen Rennrads im neuen Jahr, zog der Ehrgeiz gleich mit ein und mein Wettkampffieber war zurück. Ich suchte mir in München einen Verein und trainierte von da an beim MRRC München. Vor allem das Schwimmtraining wurde hier regelmäßiger. Dort lernte ich auch meinen mittlerweile sehr guten Freund und Trainingspartner Christoph kennen, mit dem ich mich auch heute noch regelmäßig zum Training treffe. Mit ihm kann ich mich messen, was mich damals nur noch mehr Antrieb.

Mit dem nun regelmäßigen Training war das nächste greifbare Ziel wieder die Mitteldistanz. Die Challenge Kaiserwinkl-Walchsee war die Einzige, bei der es noch ein paar Startplätze gab. Gleichzeitig ließ ich mich auf die Warteliste für den Allgäu Triathlon setzen. Schließlich hatte ich dort noch eine Rechnung offen. Also absolvierte ich die „Hitzeschlacht von Walchsee“ und konnte mich sogar für „The Championship in Samorin“ qualifizieren. Wie es das Schicksal wollte, konnte ich sogar noch einen der letzten Startplätze für den Allgäu Triathlon ergattern.

Ein paar Wochen zuvor bin wieder zurück in mein Heimatdorf gezogen. Privat stand einiges an,  Umzugsstress und die Situation 400 km von meinen Trainingspartner entfernt zu sein, machten diese Zeit aus sportlicher Sicht nicht gerade zu der Besten. Wie das so ist, zurück im alten Umfeld – zurück in alten Gewohnheiten, schenkte ich dem Fußball wieder meine gesamte Aufmerksamkeit. Als hätte ich in den Jahren zuvor nichts gelernt, musste ich wieder feststellen, dass der Fußball mir nicht reichte. Also meldete ich mich für den Halbmarathon in Frankfurt an, erreichte mein Ziel unter 01:28:00 zu laufen und entschloss, mich voll und ganz, auf die Challenge Samorin zu fokussieren. (Vor diesem Ereignis wäre es für mich völlig okay gewesen, einfach nur teilzunehmen)

Als ich dann Anfang April eine neue PB bei einem Trainingslauf im Halbmarathon lief, wollte ich noch mehr. Ich beendete meine Fußball Karriere und hängte meine Fußballschuhe symbolisch an den Nagel. 

Ich wusste, um das zu erreichen, brauchte ich einen Trainer. Und hier kam Flo ins Spiel 🙂 

Flo kannte ich bis dato nur durch Social Media und wusste, dass er nebenbei auch Coaching anbietet. Nach einer  kurzen Nachricht von mir, telefonierten wir und eine Woche später hatte ich den ersten Block in TrainingsPeaks stehen. Das Ziel war klar: Challenge Samorin im Mai 2020! 

Falsch gedacht..

Denn jetzt kam Corona und das Event fand so wie geplant nicht statt. Wir trainierten trotzdem weiter wie geplant und unser Ziel war es mich erstmal ins regelmäßige Triathlon Training zu bringen. So konnte ich mich auch durch zusätzliche Zeit an die Belastungen gewöhnen. 

Nachdem das Event zuerst verschoben und aufgrund der anhaltenden Pandemie nun für Mai 2021 angesetzt ist, war ich zwar sehr enttäuscht, aber diesmal hat es meiner Motivation keineswegs geschadet. Ich dachte: „Was soll’s, dann eben nächstes Jahr, so kann ich ein noch besserer Athlet werden.“

Um die Spannung im Training trotz keiner stattfindenden Wettkämpfe 2020 aufrecht zu erhalten, bauten wir immer wieder kleine Highlights ein. Ein größeres Highlight konnte dann aber doch noch stattfinden. Der Westspangenlauf in Saarbrücken über die Halbmarathon Distanz konnte tatsächlich unter strengen Corona-Regeln stattfinden. Dort war jeder Teilnehmer komplett auf sich alleine gestellt, da in gewissen Abständen zu einander gestartet wurde. Es war also ein Rennen gegen mich selbst und die Uhr. Ich kam nach 1:20:46 ins Ziel und erreichte eine deutliche Verbesserung meiner PB im Vergleich zu März um 7 Minuten bei einem offiziellen Rennen. 

Consistency und gutes Coaching waren hier der Schlüssel zum Erfolg 🙂 

Abschließend würde ich sagen, dass ich einen ziemlich durchwachsenen Start mit dem Triathlon hatte. Jetzt bin ich aber voll dabei und liebe das tägliche Training! 

In meinem nächsten Blogbeitrag erzähle ich euch wie ich das tägliche Training in meinen Alltag integriere.

Ihr habt noch Fragen, Rückmeldungen oder auch Kritik? Schreibt mir gerne!

Bis bald, 

Janek  

Grand Canyon R2R2R

Warum rennt man 2 Mal hintereinander quer durch den Grand Canyon?

Das ist die Frage, die man sich wohl viele stellen. Meine Antwort ist recht einfach. 2020 hat uns nicht wirklich planbare Highlights gegeben, also habe ich mir selber eins geschaffen. Da wir im nächsten Jahr aus Arizona wegziehen werden, wollte ich einen Weg haben dem Grand Canyon Goodbye zu sagen. Es hat sich einfach richtig angefühlt dies sportlich zu tun. Ich wusste es gibt Trails und Wege, die man da unten rennen kann. Vom Rim2rim2rim habe ich aber erst bei genauerer Recherche erfahren.

Was ist das also?

Vom südlich höchsten Punkt des Canyons (2200m ü N.N) runter zum Colorado River (700m ü N.N) und hoch zum höchsten nördlichen Punkt des Canyons (2500m ü N.N.). Klingt viel, aber das war nur der Hinweg. Das Ganze dann auch wieder zurück. Ergibt 68km und 4500 Höhenmeter. Klingt erstmal nach einer harten Nummer und ist es im Endeffekt einfach auch. Der Weg ist wunderschön, aber in den steilen Stücken mit Stufen und steilen Abhängen und schmalen Pfaden gespickt. Nichts für reine Trailanfänger. Der Selbstüberschätzungsfaktor ist einfach aufgrund der Unvorstellbarkeit dieses Laufes sehr groß. Ich bin Pro Athlet kann den ganzen Tag trainieren wie ich will, aber ich bin trotzdem kein Ultraläufer oder Trailprofi. Das Ding zieht Energie und man sollte gute Berglaufkräfte mitbringen und die Ausdauer für wesentlich mehr als nur 70km.

Planung & Training

Die Vorbereitungen verliefen recht simpel. Ich lief ein paar 30er und versuchte viele Bergsprints und Trailläufe einzubauen. Da Leben in Tucson bereitete mich auf die Grundhitze vor, zu mindestens theoretisch. Ich verbrachte viel Zeit im Kraftraum, um meine Glutes und Hamstring auf das endlose Treppenrennen vorzubereiten. Jetzt ein paar Tage später kann ich sagen: ja das war mehr als clever. Ich hatte zwar Muskelkater, aber ich bin ohne Piriformis Verletzung etc. aus der Sache rausgekommen. Die Routenplanung war am Einfachsten. Ich habe mir Jim’s FKT angeguckt und beschlossen: das wird die Route. Fertig.

  • South Kaibab Trailhead (kiosk) to Colorado River (north end of bridge)
  • River to Cottonwood Campground (water fountain)
  • Cottonwood Campground to North Kaibab Trailhead (kiosk)
  • North Kaibab Trailhead to Cottonwood Campground
  • Cottonwood Campground to River
  • River to South Kaibab Trailhead and up 😉

Das Ganze wollte ich ursprünglich alleine durchziehen und mit meinem Truck von Tucson hochfahren in der Nähe campen und dann einfach morgens losrennen. Einer meiner Athleten, Michael (wohnt in Atlanta), wurde sein letztes Rennen auch abgesagt. Ich wusste er ist fit genug, um das Ding mit durchzuziehen. Also fragte ich ihn ob er auch Bock hat. Ich musste nicht lange reden und er war auch an Board. Zu zweit ist sowas einfach besser. Man hat jemanden zum Reden und wenn es dir schlecht geht, dann geht es dem anderen meist gut und umgekehrt. Also Im Endeffekt sind wir beide mit unseren Frauen zum Grand Canyon gereist und haben dort unser Lager aufgeschlagen.

Material

Für die Dauer des Events braucht man natürlich entsprechende Verpflegung. Entsprechend habe ich meine Ultimate Direction Race Vest mit einer 2l Blase und 2 500ml Gelflaschen ausgestattet. Da die Tasche hinten sehr dehnbar ist, konnte ich noch run 10 Gels mitnehmen. Außerdem konnte ich meine GoPro und iPhone verstauen. Meine Kopflampe hat nach morgendlichem Gebrauch auch ihren Platz in der Weste gefunden. Ein Packtalent also. Und ja ich hatte sogar Sonnenspray dabei, um immer wieder etwas aufzutragen. Schuhe hatte ich die Hoka One One Mafate 2 am Start und nicht eine Blase oder sonst was. So soll es ein. Die Stirnlampe war von Energize und hat ganze 15$ gekostet, aber das war völlig ausreichend. Mein Running Cap habe ich beim REI in Flagstaff gekauft. Meine Gelflasche 1 war mit 8 MyVitargo Gels gefüllt und die 2. mit dem MyVitargo Carboloader. Die Blase war für Wasser.

Das R2R2R „Raceday“

Wir entschlossen uns so früh wie möglich loszumachen. 3:30 klingelte also der Wecker und 4:30 begannen wir unseren Lauf. Es waren ganze 2 Grad Celsius und ich war „kurz kurz“ am Start. KALT! Also wir jedoch den Abstieg in den Canyon starteten begrüßte uns eine warme Luftmasse und mir wurde schnell warm. Die erste Stunde verging wie im Flug und wir machten schnell unseren Weg runter zum Colorado River. Ich hatte mir es etwas schwieriger vorgestellt im Dunklen die ganzen Treppen runterzurennen, aber es war wie Seilspringen.

Mit jeder Minute erahnte man mehr wo der Weg hingehen sollte. Nach 20min knickte Micha leider etwas um. Das Ganze tat ihm erstmal nichts und wir liefen weiter. Nach einiger Zeit zeigte sich jedoch das er einen nicht ganz so guten Tag erwischt hat und sein Puls wollte nicht wirklich in einem sinnigen Bereich bleiben. Am Tag zuvor beim Aktivierungslauf hatte er auch recht viel trockenen Staub abbekommen, was ihn schon nicht gut schlafen lies. Plus die Höhe und Hitze. Jetzt danach weiß ich ok wir hätten ihn definitiv mehr Tage in der Höhe und Hitze zur Akklimatisierung geben sollen. Wir hatten 2, aber es hätten mind 5 sein sollen. Aufgrund dieser Sachen entschieden wir uns das er den Angel Trail hochgeht (zurück zum South rim) und ich weiter durchziehe. Keine einfache Entscheidung für beide. Er wollte unbedingt durchziehen und ich will keinen zurücklassen. Er versicherte mir ich solle durchziehen und ja es war die richtige Entscheidung. Ich weiß er ist fit und kann die Distanz durchziehen und ich wird das auch noch tun. Heut muss ich aber allein weiter. Er endet den Tag mit 30km und 1500hm. Für einen ekligen Tag richtig stark!!

Die ersten paar Km alleine waren komisch. Es ist verdammt leise im Canyon. Sobald man aber am Seitenarm des Colorado Rivers langläuft begleitet einen dieses Grundrauschen, welches durch die steilen Canyonwände verstärkt wird. Ich habe einen flachen Abschnitt erwartet, der sich über die nächsten 10km streckt. Allerdings ging es stetig bergauf Stück für Stück und es war nie wirklich flach. Das hat mehr gezerrt als ich es gedacht hätte. Die Kilometer liefen dann aber nur so dahin. Mountain Music von Alabama war mein Ohrwurm und ich summte es immer wieder vor mich hin. Die Sonne war bereits aufgegangen und beim Blick zurück sah ich die erleuchteten Kuppen der Berge. Ich hielt alle 15-20 an, um mir etwas zu dehnen. Im North Rim Camp Cottonwood hielt ich an, um Wasser aufzufüllen. Die nächsten Stunden hoch zum North Rim sind nur noch grob in meinem Kopf. Ich hatte ein richtig tiefes Loch. Ich habe viel zu oft an den Notfallhelikopter gedacht für eine Rettung. Aber selbst, wenn ich hatte keinen Handyempfang, um ihn zu rufen und das Notfalltelefon war bereits hinter mir. Der Anstieg zum North Rim war einfach nur die Hölle. Auf den letzten Metern strahlte mir die Sonne das erste Mal ins Gesicht und ich kehrte nach der letzten Stufe sofort um und rannte eine Stunde lang nur bergab. Das half mir aus meinem Loch zu kommen und schoss mich direkt in ein Hoch, wie ich es selten hatte. Ich hatte Gänsehaut und Freudentränen, die Berge und Landschaft zu sehen. Dieses Hoch trug mich komplett bis zum Fuße des South Rims. Dort im Camp angekommen war der Akku auf einmal mehr als leer. Mir steckten bereits 56km in den Beinen und ich musste diese verdammte Wand noch hoch. Ich sah den Kiosk und kaufte mir eine 5$ Lemonade und könnte mir eine 15minütige Pause. Im Nachhinein vlt. ein Fehler…

Der Anstieg zum South Rim war einfach nur brutal. Ich war leer. Ich machte aber dennoch den Deal mit mir selber hier jetzt schnell hochzugehen. Nun ja das ging 2km und dann war es ein 500m gehen und dann 5min Pause im Schatten Game. Es waren mittlerweile 38 Grad und jeder Schritt ein Kampf. Ein weiteres Super Tief. Ich habe an Zuhause gedacht meine Frau, meine Hunde und wollte einfach nur fertig sein. Und dann die Rechnung im Kopf noch mind. 2h von dieser Sche***. Nun ich wollte es so. Nach einem schier endlosen Kampf gegen die Sonne und den Berg kam ich endlich oben an. 10h und 8:30 pure Laufzeit. Leider war das rund 2h schneller als geplant und entsprechend war keiner da, um mich zu empfangen. Also lief ich einen Kilometer bis zum Truck und fuhr ins Hotel. Wir feierten den Tag mit mexikanischem Essen und fuhren am nächsten Tag die 5h nach Tucson. Dort abends angekommen war mein Hirn Matsch wie schon lange nicht. Das hat gute 48h gedauert eh es sich legte und auch meine Beine wieder funktionierten. Das Ganze Ding hat mir definitiv einiges abverlangt. Nicht nur körperlich… Dennoch ich denke es ist absolut empfehlenswert. Meine Arizona Abschiedstour hätte nicht besser starten können. Jetzt gibt es noch einige Sachen rund um Tucson von der Bucketlist zu streichen und dann bin ich bereit für unseren Umzug im April.

Meine Garmin war leider ein Totalausfall. Ich hatte schon etwas bedenken als sie die letzten Runs innerhalb von 30min 20% Akku verloren hat, aber der Canyon war wohl zu viel. Falls jemand eine Uhrempfehlung hat, welche zum Laufen und auch hiken gut ist: her damit! Hatte schon mal auf die Fenix geschaut… fboegge @ gmail.com

Danke für das Lesen und verfolgen des Laufes. Ich wünsche euch fitte Beine und einen guten Kopf auf euren Abenteuern

 

Flo

Hier das Video dazu:

Offseason

2020 saugt viel Energie! Manche hatten ein paar Rennen oder haben noch ein paar Rennen und manche haben lieber auf Starts verzichtet. Was wir alle gemeinsam haben, ist der Kampf mit der Ungewissheit dieses Jahres. Normalerweise wird Kona als Saisonende im LD Triathlon angesehen und um diese Zeit herum machen viele ihre Saisonpause und schalten ab. Zu mindestens diejenigen, die schon den Fehler gemacht haben durchzuballern und keine Pause zu machen.

 

Was bedeutet Offseason?

Ignoriert mind. 2-3 Wochen alle Trainingspläne, Social Media Posts von anderen Athleten oder Trainingstipps und nehmt etwas Abstand zum Sport. Gerade dieses Jahr ist mental sehr belastend und egal ob ihr richtig hart durchgezogen habt oder alles etwas ruhiger angegangen habt. Die Offseason dient als Resetknopf für eurer Sportlerdasein. Ihr sollt euch nicht zwingen die ganze Zeit hart auf dem Sofa zu sitzen. Es geht darum Körper und Geist wieder in Ausgleich zu bringen und Kraft für die neue Saison zu tanken. Geht raus und wandert etwas oder lest ein Buch, geht ins Spa, fahrt ein bisschen Mountainbike. Egal was ihr macht, macht es ohne Zwang und lasst euren Körper entscheiden was er will. Nutzt die Zeit, um euch selber etwas zurückzugeben. Mit dem ganzen Training zusätzlich zum Alltagsstress verlangt ihr viel von euch ab.

Warum? Ich verliere doch nur meine ganze Form!

Wie gesagt ihr sollt nicht nur auf dem Sofa liegen. Bewegt euch nach Lust und Laune. Ein Klassiker unter den Trainingsstudien (Effects of detraining Coyle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/3944049/) beschreibt sehr schön das größte Problem des „Abtrainieren“ in Bezug auf das Kardiovaskuläre System: Der Leistungsverlust geschieht aufgrund der Abnahme des Gesamtblutvolumens. Das bedeutet nach 2 Wochen Inaktivität nahm das Blutolumen ab und dadurch fiel die Leistung ab. Man sah eine geringe Vo2 und eine höhere Herzfrequenz bei gleicher Belastung im vgl. zu vor der 2-wöchigen Inaktivität. Das ist auch oft was ihr als Formverlust wahrnehmt: „Puhh bei gleichem Tempo muss ich auf einmal viel mehr arbeiten.“ Mit weniger Blutvolumen muss das Herz entsprechend härter arbeiten, um das Blut zu verteilen. Wenn ihr euch also etwas bewegt in eurer Offseason, dann verliert ihr nicht ganz soviel Blutvolumen. Und eure Gelenke und Sehnen rosten nicht ein. Und keine Sorge ihr erlangt eurer Niveau in einigen Wochen nach Trainingsstart zurück.

Warum solltet ihr also eine Offseason machen?

Das Alphatier Ausdauersportler kennt oft nur die Flucht nach vorn. Das ist gut, aber nur mit Stress allein wächst man nicht. Der Gedankengang ist bei vielen: je größer der Reiz desto besser die Anpassung. JAEIN. Wir passen uns nur an, wenn wir den Reiz auch verarbeiten können. Also geht es darum den optimalen Punkt zu finden an dem wir genug Stress für eine Adaption entwickeln und den Stress auch verarbeiten können. Hier kommt der Punkt ins Spiel den viele ignorieren oder zumindest unterschätzen: Unser Alltag verursacht auch Stress und das nicht zu wenig! Also bedenkt immer Training + Leben = Gesamtstress. Dies gilt im Kleinen pro Tag, pro Woche und auch im Großen pro Jahr, pro Saison etc. Seht die Offseason also als Wachstumspotential an. Die Saison war hart, wenn auch vlt. nicht körperlich wie andere mit vielen Rennen, aber sie war zu 100% mental hart. Corona hat uns alle in eine stressige Situation gebracht. Wir haben es verdient etwas abzuschalten und zu wachsen!

Seid gut zu euch selber und gönnt euch die Offseason. Im Endeffekt werdet ihr stärker dastehen als wenn ihr einfach durchzieht!

 

Stress + Erholung = Wachstum

 

Bei Fragen steh ich euch gern zu Verfügung: fboegge@gmail.com

Flo

 

Der Kampf in mir

Mein Ziel ist es das Beste aus jeder Situation zu machen. Das bedeutet nach einem schlechten Rennen besser zurückkommen, Verletzungen hinzunehmen und stärker zurückzukommen und bloß nicht aufgeben! Viele finden diese Einstellung lobenswert oder sehen sie sogar als notwendig an. Das das Ganze jedoch auch eine dunkle Seite hat, will oft niemand sehen…

Es war ein dunkler kalter Herbsttag in Deutschland. Das Training für die neue Saison hatte bereits begonnen und wir haben gefühlt wieder relativ von vorne angefangen. Alles schien eintönig und ich hatte irgendwie kein richtiges Ziel vor Augen. Wir radelten durch das kalte Umland von Frankfurt Oder und die alten Plattenbauten strahlten eine Hoffnungslosigkeit aus, die mir bis dahin unbekannt war. Meine Eltern hatten sich im Jahr davor getrennt, aber ich war der festen Überzeugung es sei mir egal. Typisch Teenager. Ich fühlte mich allein und sah einfach keinen Sinn. Damals wurde mir gesagt jeder fühlt sich mal so und es liegt an den dunklen Tagen. Wird alles wieder! Aus der heutigen Sicht denke ich, dass ich zu dieser Zeit meinen ersten depressiven Schub hatte.

Warum ich das denke? Weil mich dieses Gefühl bis heute verfolgt und ich es auch an den längsten und sonnigsten Tagen des Jahres haben kann. Jetzt ist es einfach zu sagen: du hast die Trennung deiner Eltern nicht verarbeitet. Ja das ist sicherlich ein Teil der Story und es hat lange gedauert eh ich es wirklich verarbeitet habe und nicht mehr sauer war. Aber ich weiß das es die beste Entscheidung meiner Eltern war und bin glücklich für ihr neues Leben. Der Groll ist weg, die depressiven Schübe blieben.

Depressionen sind komplex. Für mich ist ein Gefühl der Sinnlosigkeit, ein Gefühl, das mich die Erde anzieht und ich zu kraftlos bin irgendetwas zu machen. Das ist nicht geil und nicht gerade praktisch für das normale Leben oder gar so etwas wie „Leistungssport“. Das bedeutet nicht das ich mich die ganze Zeit so fühle oder ich mir etwas antun will. Es sind Schübe: sie kommen, sie gehen. Ich arbeite daran mich so gut wie möglich auf schlechte Tage vorzubereiten, damit ich so schnell wie möglich durchkomme. Und genau hier kommen wir zu meinen Bewältigungsmechanismus: NICHT AUFGEBEN!

Dieses Motto hat mir verdammt viel geholfen und leider ist es dadurch auch eine Art Zwang geworden es in jeder Lebenssituation anzuwenden. Ich habe seitdem ich 12 bin so ziemlich ununterbrochen Sport getrieben. Mal mit Leistungsauftrag, mal ohne, erst als Amateur und jetzt als Pro. Ja man muss hart trainieren, um etwas zu erreichen. Man muss mit sich selber kämpfen und es hilft nicht aufzugeben. Du kannst weit kommen, wenn du einfach nur weitermachst.

Man muss allerdings sehr stark aufpassen wie sehr man in dieses Loch reinrennt. Ich habe 2017 die Entscheidung getroffen Triathlon Profi zu werden, um mein Potential auszuschöpfen und zu sehen was ich erreichen kann. Mit diesem Entschluss habe ich angefangen mehr zu trainieren als je zuvor. Ich habe mich über jedes Warnzeichen meines Körpers hinweggesetzt und bin völlig übertrainiert und krank in Hawaii bei der Ironman WM angekommen. Das Rennen ging total in die Hose und danach lag ich 3 Wochen im Bett und konnte mich nicht mehr bewegen. Das habe ich natürlich nicht hingenommen und habe danach viel zu früh und viel zu hart wieder angefangen zu trainieren. Das endete damit das ich verletzt den Rest der Saison mit einem Bandscheibenvorfall zugucken musste. Im Jahr darauf ging es weiter und ich habe mir die Hüfte gebrochen. Aber hey nicht aufgeben! WEITER WEITER WEITER.

Ich wollte nicht aufhören oder weniger machen, weil ich Angst hatte meiner Depression in die Augen zu sehen. Die Frage ob ich überhaupt weitermachen kann oder nochmal überhaupt annährend etwas von dem Potential abrufen kann, das ich zuvor zeigen konnte, stand in den Sternen. Ich habe das so gut es geht verdrängt. Das ich meine Reise seit 2016 auf YouTube geteilt habe, wurde mir hier zum mentalen Verhängnis. Ich liebe es Videos zu schneiden und mein Training zu teilen. Wenn man jedoch wieder und wieder verletzt ist und in die Depression Hölle steigt, dann wird es zur Belastung sein Leben per Video zu teilen. Die Zwanghaftigkeit nicht aufzugeben lies mich dann noch Videos veröffentlichen, die ich hätte nicht produzieren sollen. Das Problem ist sicherlich auch ein gewisses Stigma gegenüber Depressionen. Viele sehen es als Schwäche an und schreiben einen ab. Davor habe ich auch Angst – immer noch! Aber es wäre so viel einfacher, wenn man sagen könnte was in einem abgeht.

Okay den letzten beiden Jahren waren also geprägt von Verletzungen und dunklen Zeiten in meinem Kopf. Ich bin aber hier und sehe positiver in die Zukunft als je zuvor. Warum? Ich verdanke vor allem Allie, die mir gezeigt hat das ich wertgeschätzt werde auch wenn ich nicht gewinne. Das Scheitern zum Leben dazu gehört und das ich es nicht ein paar Followern auf YouTube auf Biegen und Brechen recht machen muss. Sie hat mir gezeigt, dass das Leben so viel mehr ist. Das es eine Achterbahn ist und wir Höhen und Tiefen leben sollen. Ich akzeptiere meine Tiefen und depressiven Schübe für das was sie sind und das hilft mir wesentlich schneller durchzukommen. Die andere Sache ist mein Coahingbusiness. Es gibt mir eine unheimliche Erfüllung meinen Athleten zu helfen und ihre Entwicklung mitzuerleben, die mich teilweise stolzer macht als meine eigenen Siege.

Dieses Jahr habe ich öfter den je alles hinterfragt. Als Covid zugeschlagen hat und die Triathlon Welt stillgelegte, kam mir die Frage immer mehr in den Kopf: was machst du wenn du keinen Leistungssport mehr machst. Was kommt danach? Wer bin ich? Großes Thema für viele Sportler! Auch hier bin ich in den letzten Monaten durch einige Schübe gegangen. Das es täglich 45 Grad waren und ich tagsüber nicht wirklich lange draußen sinnvoll trainieren konnte, machte es nicht besser. Anfangs habe ich es mit Antidepressiva versucht, diese aber es nach einiger Zeit abgesetzt. Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken. Viele Gespräche mit Allie. Ich habe mich einer Freundin von uns anvertraut, die in dem Gebiet arbeitet und einiges an Literatur an die Hand bekommen. Trauerbewältigung war eines der Bücher, welches überraschenderweise gut beschreibt was ein Athlet am Karriereende durchmacht. Karriereende?

Für die letzten 18 Jahre war alles auf Sport ausgerichtet. Von früh bis spät nichts anderes im Kopf. Es wird zu mehr als nur eine Sache, die man macht. Es wird zu dem was dich definiert und irgendwann wird das zum Problem. Ich will noch nicht aufhören, aber ich weiß das ich meinen Körper gut geschunden hab und er irgendwann sagen wird das es genug ist. Und ich will bereit sein für diesen Moment. Schaut euch die hbo Dokumentation „the weight of gold“ an. Viele der Olympioniken fallen in ein Loch, in eine Identitätskrise. Ich liebe es zu trainieren, meinen Körper zu pushen und mich mit anderen zu messen. Ich bin noch keine 30 und ich denke ich habe noch hoffentlich einige Jahre im Sport, bevor das „Karriereende“ wirklich ansteht. Ich weiß auch das ich noch einige Schübe haben werde und alles ein paarmal hinterfragen werde. Aber das ist okay so.

Depressionen in ihren verschiedenen Formen sind absolut Mist und ich wünsche es keinem! Ich hoffe allerdings das wir mehr darüber reden können und das dies im Endeffekt mehr Menschen helfen wird. Ich bin froh Allie an meiner Seite zu haben. Meine Athleten, die mir tägliche Erfüllung bringen. Das Leben ist gut, auch wenn es manchmal nicht so aussehen mag.

Bleibt nicht allein und sucht euch Hilfe, wenn es euch nicht gut geht.

Flo

 

 

Consistency

Hier möchte ich euch erklären warum ich Consistency (Beständigkeit, Gleichmäßigkeit, Regelmäßigkeit) als einer der wichtigsten Bestandteile des Trainings ansehe.

Consistency bedeutet nicht das der Trainingsplan keinen Spaß bringt oder dass ich meinen Athleten von großen Abenteuern abrate. Im Gegenteil ich will, dass das Training Spaß macht und wir uns langfristig an unserem Körper und an unserer erschaffenen Fitness erfreuen können. Die Frage ist nun: Wie schaffen wir es fit und stark zu sein und uns über einen langen Zeitraum zu entwickeln? Die Antwort ist relativ einfach: mit geplanter Regelmäßigkeit.

Ausdauertraining führt zu verschiedenen Adaptionsprozessen im Körper (Wir gehen auf einige noch in weiteren Artikeln genauer ein). Wichtig ist es zu verstehen, dass uns nicht ein bestimmtes Keyworkout in einen Frodeno verwandeln wird. Es ist die kumulierte Arbeit über mehrere Jahre, die den Unterschied macht. Dies beinhaltet nicht nur das richtige Training für euren aktuellen Leistungszustand. Sondern auch die richtige Ernährung und dauerhaften guten Schlaf (Regeneration). 

Viele machen den Fehler auf dem Niveau zu trainieren auf dem sie gerne wären und nicht auf dem sie sich befinden. Dies kombiniert mit 10.000 Lifehacks und komischen Diäten, anstatt gutem Schlaf und sauberen Essen, sorgt dafür das sie keine langfristigen Fortschritte machen. Dementsprechend sehe ich hier Consistency als sehr gutes Motto an: Bleibt eurem Niveau treu! Denn nur so entwickelt ihr euch weiter, ohne euch in den Boden zu trainieren oder euch zu verletzen. Esst regelmäßig gutes Essen. Ab und zu etwas ungesundes wird euch nicht schaden, wenn ihr regelmäßig gut esst. Schlaft regelmäßig mind. 8h. Schlaf ist das BESTE Regenerationsmittel das es gibt. Der Körper repariert sich und adaptiert auf die neuen Reize. STRESS + REST = Adaption. Nur mit regelmäßig gutem Schlaf könnt ihr die Trainingsreize verarbeiten und euch weiterentwickeln.

Jeder der schon mal auf ein Ziel trainiert hat, weiß wie hart es sein kann sich vorzubereiten. In unserer westlichen Welt und auch in der Typ-A Triathlon Welt ist das Motto: „viel hilft viel“ sehr beliebt und wenn jemand nicht hart genug trainiert, dann wird er oft als „schwach“ angesehen. Oft wird dieses Gefühl durch Social Media Einflüsse und krasse gepostete Trainingseinheiten von anderen Athleten noch verstärkt. Dies führt sehr oft dazu das wir zu viel arbeiten und dann völlig übertrainiert sind. In diese Falle tappen sehr viele selbstgecoachte Athleten und dies bringt mich zu einem weiteren wichtigen Punkt: Consistency hält unser Ego im Zaum. Versteht mich nicht falsch, es ist super das ihr motiviert seid und hart arbeiten wollt! Wir sollte das Ganze jedoch mit Verstand angehen.

Consistency bedeutet auch eine gewisse Ordnung mit ins Training zu bringen. Für die mentale Vorbereitung hilft es zu wissen, wann wir eine harte Vo2 Einheit oder langen Lauf machen. Menschen sind Gewöhnungstiere. Ein regelmäßig strukturierte Trainingswoche hilft uns dem Training auch unter widrigen Situationen treu zu bleiben. Und dies sorgt für mentale Härte in schwierigen Situationen.

Wie ihr seht ist Consistency ein sehr gutes Motto, da es auf so vielen Gebieten immer wieder Anwendung findet. Und ich bin sehr froh es als Coaching Motto an euch zu vermitteln.

Bleibt stark, bleibt euch treu

Flo